Zu Beginn der Seminarwoche war für uns Studierende nur eines klar: Jeder sollte ein Bilderbuch mitbringen. Innerhalb von fünf Tagen sollte auf dieser Grundlage ein selbst entwickeltes Musiktheater entstehen, das wir am Ende vor Kindern, Erzieher*innen, Mitstudierenden und Dozent*innen aufführen würden. Mit Neugier, Motivation und Vorfreude starteten wir in die Woche.
Bereits am ersten Seminartag lernten wir wertvolle spielerische Methoden kennen, um innerhalb eines Gruppenprozesses demokratische Entscheidungen zu treffen. So wählten wir gemeinsam das Bilderbuch „Bestimmer sein“ aus, welches sich kindgerecht mit Mitbestimmung und Demokratie auseinandersetzt. Dieses Buch bildete die Grundlage für unser Musiktheater.
Darauf aufbauend verteilten wir Aufgaben, bildeten Arbeitsgruppen und planten die Woche gemeinsam. Passend zum demokratischen Ansatz unseres Projekts konnte jede*r eigene Stärken einbringen und Verantwortung übernehmen.
Neben der künstlerischen Arbeit beschäftigten wir uns ebenso mit dem Praxisbezug dieses BP-Seminares. In einem gemeinsamen Rollenspiel saßen wir als Bildungsexpertin, Bürgermeisterin, Künstlerin, Kitaleitung, Elternbeirat und Erzieher*in an einem Tisch. Der Ausgangspunkt war die Idee der Erzieherin, solch ein Musiktheaterprojekt in der Kita umsetzen zu wollen. Aus den jeweiligen Rollen heraus erklärten wir, warum wir ein solches Projekt für die Kinder als sinnvoll erachten, vertraten fachlich unsere Meinung und setzten uns mit den unterschiedlichen Bedürfnissen und Sichtweisen der beteiligten Personen auseinander.
Parallel dazu entstanden Kulissen, Kostüme, ein Drehbuch sowie selbst komponierte Lieder. Der kreative Prozess und die Aufführung erforderten Offenheit, Flexibilität und Mut. Dieser Schritt aus der Komfortzone führte jedoch zu einem Ergebnis, auf das wir als Gruppe sehr stolz sind. So sind wir an dieser Aufgabe gewachsen und haben viele neue, wertvolle Lernerfahrungen für uns und unsere pädagogische Praxis mitnehmen können.
Am Ende der Woche präsentierten wir unser Musiktheater in zwei Vorstellungen, zunächst vor über 130 Kindern und anschließend der Schulgemeinschaft. Unsere Gäste erlebten wie auch wir ein Projekt, das unsere pädagogische Haltung widerspiegelt und zeigt, wie Demokratie, Kreativität und Gemeinschaft im Musiktheater erlebbar werden.
So viel Harmonie nennt man Demokratie!
Alina Baumann, Berufspraktikantin
Das BP-Relipäd-Seminar auf der Burg Rothenfels unter dem Motto „Hören-Meditieren-Glauben“
Schon bei der Ankunft am 11. November wurde uns klar: Dieses Seminar würde anders werden. Hoch gelegen, fernab vom Alltag, empfing uns die Burg mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Alte Mauern, weite Ausblicke und die spürbare Ruhe sorgten dafür, dass Arbeit, Schule, Termine und To-do-Listen plötzlich in weite Ferne rückten. Genau der richtige Ort für vier intensive Tage Religionspädagogik, Gemeinschaft und persönlicher Reflexion.
Nach dem Beziehen der Zimmer, die schlicht, aber gemütlich waren, starteten wir mit einer Willkommensrunde. Schnell entstand ein offener Austausch über unsere bisherigen Praxiserfahrungen: Welche religionspädagogischen Angebote hatten wir bereits durchgeführt? Welche Fragen stellen Kinder zu Glauben, Gott und Kirche? Ein besonderer Impuls gleich zu Beginn: Die freiwillige Einladung, das Handy für die Woche im Zimmer zu lassen. Eine kleine Herausforderung – aber rückblickend eine der besten Entscheidungen, um wirklich anzukommen, zu entschleunigen und sich voll auf das Seminar einzulassen. Ein fester Ankerpunkt der Tage war das gemeinsame Mittagessen, das jeden Tag gegen 12 Uhr stattfand. Hier wurde nicht nur gegessen, sondern gelacht, erzählt und Gemeinschaft gelebt.
Am ersten Tag gestalteten wir außerdem unsere persönlichen Glaubenswege mit vielfältigem Legematerial. Dabei entstanden sehr individuelle Bilder, die zum Nachdenken anregten und intensive Gespräche ermöglichten. Der Abend klang mit gemeinsamem Singen aus der Liedermappe aus – ein ruhiger, verbindender Abschluss des ersten Tages.
Der zweite Seminartag begann mit einem kleinen Morgenimpuls: Bewegung, Musik und ein Gebet sorgten schon vor dem Frühstück für einen bewussten Start in den Tag. In unserem gemütlichen Seminarraum beschäftigten wir uns anschließend kreativ mit Tanz als religionspädagogischem Element. In Partnerarbeit entwickelten wir eigene Tänze zu Liedern, die spirituellen Inhalte aufgriffen. Diese Tänze begleiteten uns durch das gesamte Seminar und wurden täglich von unterschiedlichen Zweierteams für die Gruppe angeleitet – ein schönes Beispiel dafür, wie Praxis, Kreativität und Glaube miteinander verbunden werden können.
Auch außerhalb des Seminarraums gab es Raum für Begegnung. Bei einem kurzen Spaziergang durch das Dorf tauschten wir uns gezielt mit Teilnehmenden aus, mit denen wir zuvor noch weniger Kontakt gehabt hatten. Besonders eindrucksvoll war eine stille Einheit, in der jede Person sich eine Stunde lang mit dem eigenen „persönlichen Kreuz“ beschäftigte. Dieses Kreuz wurde selbst gebastelt und individuell gestaltet – ein sehr persönlicher Moment der Reflexion. Am Abend folgte ein emotionaler Höhepunkt: eine Andacht in der Kapelle der Burg, die viele von uns noch lange in Erinnerung behalten werden.
Der dritte Tag stand ganz im Zeichen von Spiritualität, Klang und Kreativität. In Kleingruppen entwickelten wir Klanggeschichten zu biblischen Erzählungen und präsentierten sie der Gruppe. Währenddessen durften die Zuhörenden auf Isomatten und Kissen liegen, in Decken eingekuschelt, und einfach zuhören, entspannen und wirken lassen. Ein weiterer Programmpunkt regte zum kritischen Nachdenken an: der Begriff „Kirche“. Jede*r schrieb eine persönliche Rede an die eigene Kirche – ehrlich, kritisch, hoffnungsvoll. Diese Reden trugen wir bei einer kleinen Wanderung an ganz unterschiedlichen Orten vor, unter anderem vor einem Alpakagehege, was für besondere und teilweise sehr berührende Momente sorgte.
Der Abend hielt dann noch eine Überraschung bereit: ein spontanes Konzert eines Schulchores, der ebenfalls auf der Burg untergebracht war, bevor wir den Tag gemeinsam bei einer Runde Werwolf ausklingen ließen. Viel zu schnell kam der letzte Tag. Nach dem Frühstück blickten wir in einer gemeinsamen Reflexion auf die vergangenen Tage zurück, bevor es ans Packen ging. Ein letztes gemeinsames Mittagessen bildete den Abschluss, dann hieß es Abschied nehmen und zurück in den Alltag fahren – mit vielen neuen Eindrücken, Gedanken und Erinnerungen im Gepäck.
Das Relipäd-Seminar war weit mehr als eine schulische Veranstaltung. Es war eine intensive Auszeit, ein Ort für Begegnung, für Glaubensfragen, für Kreativität und für Gemeinschaft. Wer im nächsten Jahr die Chance hat, an diesem Seminar teilzunehmen, sollte sie unbedingt nutzen – denn diese vier Tage bleiben im Kopf, im Herzen und machen Lust auf mehr.
Tom Sailer, Berufspraktikant